August 7th, 2009
Wir sind zwar nicht mehr in Mexiko, aber diesen einen Beitrag muss ich noch schreiben, da es nach dem Jahr am Colegío Alemán in La Herradura extrem auffällt:
Die Vorbereitungswoche an unseren neuen Schulen ist überstanden. Im sächsischen Schulsystem gibt es zwar auch etliche Stellen, die verbesserungswürdig sind, aber es war wohltuend und fast entspannend, eine Schule zu erleben, an der Selbstverständlichkeiten selbstverständlich funktionieren und an der man nicht um die Durchsetzung alltäglicher, banaler Dinge, die einfach zu einem normalen Schulbetrieb dazugehören, regelrecht kämpfen muss und am Ende (meistens) an einer Wand der Ablehnung abprallt. So kann man sich aufs eigentliche Tagesgeschäft, die Arbeit mit den Schülern, konzentrieren.
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Juli 30th, 2009
Ursprünglich bis 2011 geplant, ist unser Einsatz als Lehrer in Mexiko vorzeitig beendet und wir kehren zurück nach Sachsen. Es gibt einfach Sachen der Sicherheit (nicht nur die Würde des Menschen ist unverletzlich, sondern auch seine körperliche Konstitution) und der Selbstachtung, die man einfach - und gerade an einer deutschen Auslandsschule - nicht tolerieren kann, wenn man sich morgens im Spiegel noch ansehen will. Deshalb hatten wir vor einigen Wochen den schweren Entschluss gefasst, unser Engagement am Colegío Alemán zu beenden.
Dieses Jahr war für uns trotzdem ein Gewinn, denn die Erfahrungen in einem anderen Land sind unbezahlbar und wir haben viele, viele nette Menschen kennengelernt, an die wir uns sehr gern erinnern.
Deshalb heißt es auch nicht “Adiós”, sondern “Hasta luego”!
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Juli 2nd, 2009
Nach 15 Tagen Klassenfahrt mit 38 Schülern der Klassen 6° weiß man genau, was man gemacht hat. Sowohl die Länge der Fahrt als auch das Klientel sorgten für Urlaubsreife. Nun noch die zusätzliche “Schweinegrippenwoche” überstehen, dann sind Ferien.
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Juni 6th, 2009
Seit einigen Tagen hat sich die Polizeipräsenz auf den Straßen extrem erhöht. Bei uns in der Gegend sind täglich mehrere Straßenkontrollen mit einer stattlichen Anzahl schwerbewaffneter Polizisten relativ eng beieinander zu beobachten. Die kontrollierten Fahrzeuge werden gründlich gefilzt. Ich nehme nicht an, dass das mit dem zweiten gescheiterten Einbruchsversuch an unserer Wohnung oder der in der Tiefgarage geklauten Autoantenne zusammenhängt. Eher mit der Befreiung von 53 Gefangenen aus dem Gefängnis Zacatecas Mitte Mai. Elf davon sollen schweres Kaliber aus der Drogenszene sein. Schwerbewaffnete falsche Polizisten sollen mit etlichen Geländewagen am Gefängnis vorgefahren sein und quasi ohne Widerstand die Leute herausgeholt haben. Interpol hat deshalb eine weltweite Warnung ausgegeben. Nach der Schweinegrippe rückt eben der mexikanische Alltag wieder in den Mittelpunkt.
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Mai 23rd, 2009
Der FCC hat heute morgen den Klassenerhalt geschafft. Als der Ausgleich fiel, haben die Seismographen vermutlich ein lokales Erdbeben vermeldet.
Ein schönes Wochenende und eine halbwegs erträgliche Sommerpause! Prost!
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Mai 22nd, 2009
Max Werners Song von 1981 - und einer DER Ohrwürmer im folgenden Frühjahr (remember Pfingsttreffen an der Talsperre Kriebstein) - wäre die passende Untermalung zur einsetzenden Regenzeit. Regenzeit in Mexiko heißt aber entgegen europäischen Klischees nicht pausenloser Niederschlag, sondern die Sonne scheint an den meisten Tagen, wird aber (meistens) gegen Abend oder nachts von heftigen, oft gewittrigen Regenschauern unterbrochen. Dann weiß man, wieso hier in 4-5 Monaten mehr Regen als in Sachsen im ganzen Jahr fällt. Und trotzdem ist es insgesamt angenehm warm. In dem Sinne “…take a dose, take off your clothes, feel the soft warm spray of the rain in May” und harre der Fortsetzung der spannenden Tage der letzten Woche.
Die Erde bewies heute auch mal wieder ihre schwankenden Haltung, sprich es gab mal wieder ein Erdbeben. Es wackelte ganz schön und die Gläser im Schrank klirrten unüberhörbar.
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Mai 14th, 2009
Ja, nicht zur zu Hause wurde die gestreßte Berufsgruppe mit einem Ehrentag am 12.6. belobigt, auch in Mexiko gibt es diese schöne Sitte: Der 15. Mai 2009 ist Lehrertag und - wie sich das gehört - schulfrei. (Und wer jetzt á la Schröder über die Lehrer meckert, ist selbst schuld - es hätte doch jeder Lehrer werden können… *fg*)
Seit dem Wochenende scheint sich die Regenzeit anzukündigen. Jeden Abend gewitterte es mit kräftigen Regengüssen und die Luftfeuchtigkeit verdoppelte sich gegenüber den normalen knapp 30%. Seit gestern machen sich auch tagsüber Wolken am Himmel breit. Aber das ist alles kein Grund, auch Petrus zu schimpfen, denn gemessen an europäischen Maßstäben ist es trotzdem recht angenehm.
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Mai 12th, 2009
… seit gestern. Es gibt etliche Vorsichtsmaßnahmen: Mundschutzpflicht im Schulbus, Befragung jedes einzelnen Schülers vor dem Betreten des Schulhauses nach dem Befinden, Desinfektionsmittel u.a. Die Schüler sind aufgefordert, keine Arbeitsmittel und Frühstücksbrote auszutauschen und auch die kleinsten Anzeichen einer Krankheit sofort zu melden. Allerdings wird die Wirksamkeit aller Maßnahmen pulverisiert, wenn die morgendliche Begrüßung nach wie vor nach landestypischer Sitte mit Umarmung und Küßchen vollzogen wird - sowohl unter den Schülern als auch im Lehrerzimmer.
Die SEP - das mexikanische Bildungsministerium - hat inzwischen über die Medien die Meldung in die Welt gesetzt, dass der letzte Schultag vor den Sommerferien nicht, wie geplant, der 3.7., sondern der 14.7. sein soll. Wie dies an einer (unserer) Auslandsschule funktionieren soll, an der viele KollegInnen natürlich die großen Ferien für den Heimflug nutzen wollen (und diesen bereits seit längerem gebucht haben), und zudem auch die Mehrzahl der Eltern ihre Urlaubsreisen nach dem ursprünglichen Ferienbeginn geplant haben (und ich wette, diese auch verständlicherweise antreten werden), bleibt schleierhaft. Zumal unsere Schule die effektiv 7 Tage Zwangsferien einerseits durch die Erteilung von Aufgaben per e-Mail an die Schülerinnen und Schüler teilweise kompensiert hat, und andererseits der Zensurenschluß auf den letztmöglichen Termin verlegt und so wiederum fast 2 Schulwochen gewonnen wurden.
Es bleibt anzuzweifeln, ob eine rein quantitative Verlängerung der Schulzeit sinnvoll ist.
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Mai 6th, 2009
Heute ist der 150. Todestag von Alexander von Humboldt. Das “Colegío Alemán Alexander von Humboldt” in Mexiko, mit 3 Standorten und knapp 3000 Schülern eine große Schule, hat es leider nicht geschafft, seinen Namensgeber anlässlich dieses runden Jahrestags von in angemessener Art und Weise zu würdigen. Auch die Grippeepidemie kann nicht als Ausrede gelten, denn bereits im Vorfeld - vor Grippe und Schulschließung - wurde dieser 150. Todestag des berühmten Naturforschers in der Schule mit keiner Silbe erwähnt. Hier hätte es sich angeboten, den Schülern das Leben und Wirken Alexander von Humboldts in geeigneter Form nahezubringen. Aber Humboldts Staue vor und die seine Büste in der Schule können nicht reden und sich nicht bewegen, sonst würde er uns vermutlich am Montag bei Schulbeginn den Rücken zuwenden.
P. S. Ich bin vorgestern erst zufällig auf dieses Datum aufmerksam geworden.
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Mai 5th, 2009
“Acapulco” (von Ricci & Poveri, aber das musste ich nachschlagen) hieß 1984 ein Ohrwurm, der in jeder Disko hoch und runter gespielt wurde. Seitdem wusste ich, dass es am Pazifik einen Badeort dieses Namens gab, hatte Acapulco aber nie ernsthaft auf der Liste meiner Reisewünsche geparkt. Und nun waren wir trotzdem ein paar Tage dort, es liegt schließlich “gleich um die Ecke”. Die knapp 400 km verliefen sowohl hinzu als auch heimwärts entgegen aller Prognosen und aller Befürchtungen völlig staufrei (selbst die ersten bzw. letzten 20 km auf dem Periferico). Denn eigentlich war dieses lange Wochenende DAS lange Wochenende des Jahres, an dem alles an die Küsten fährt und fliegt. Schweinegrippe sei Dank
blieben die meisten Leute aber offensichtlich zu Hause und so waren die Straßen und Acapulco selbst leer. Die Zeitungen in Acapulco berichteten von 42% Auslastung der Hotels, was sicher ein schwerer Schlag für die Tourismusbranche war. Wir fanden es ganz nett, es war überall (beim Frühstück, am Pool, am Strand, in den Gaststätten, auf der Küstenstraße) ausreichend Platz. Und laut Hörensagen sollen am 1.5. - dem Hauptanreisetag - sogar Autos aus D.F. und dem Edo. de Mexico mit Steinen beworfen worden sein, damit die Anreisenden nicht die Schweinegrippe nach Acapulco schleppen. Als ob man mit einem Stein die Grippeviren erschlagen kann… *ggg*
Die Gegend ist sehr schön, manche Ecken erinnern an die Cote d´Azur. Die schönsten Stellen sind natürlich mit den Anwesen der mehr oder weniger Schönen und Reichen zugebaut (Sylvester Stallone hat einen besonders schönen Blick auf die Bucht von Acapulco). Man muss aber auch nicht allzu weit fahren, um das Mexiko der normalen Leute zu sehen.
Die Wellen sind etwas besonderes: An unserem Strand “schlichen” sich selbst große Wasserberge unauffällig Richtung Land und offenbarten erst unmittelbar vorm Strand ihre Mächtigkeit. Da gab es manchmal Probleme mit der Standfestigkeit.
Kurz vor der Heimfahrt erreichte uns dann die Nachricht, dass die Kindergarten, Primar- und Sekundarstufe am 11.5. wieder mit dem Unterricht beginnen. Die Schülerinnen und Schüler der Abiturstufe dürfen bereits am 7.5. wieder beginnen. Das liegt aber nicht daran, dass die “Großen” resistenter gegen Viren sind, sondern dass die Abiturstufe der UNAM untersteht, während die Klassen 1 bis 10 SEP-hörig sind. Und anscheinend legt jede Behörde selbst fest, wann die Grippewelle vorbei ist. Aber das versteht man maximal, wenn man Mexiko einige Zeit live erlebt hat.
P.S. Alles Gute zum Geburtstag, Carlos!
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